“Buddhismus ist ja bloß Meditieren – was soll das ändern?”

Bei der gestrigen Abendpraxis kam folgende Frage aus dem Alltag auf: Was, wenn man öfters mit Nachfragen konfrontiert ist wie “Wozu ist der Buddhismus denn gut, da meditiert man ja bloß – wie soll sich da etwas im Außen ändern?” Das Sanga-Mitglied wusste gefühlsmäßig und aus eigener Erfahrung, dass diese Annahme so nicht zutrifft; sie fühlte sich aber nicht sattelfest genug, um eine überzeugende Antwort geben zu können.

Eine der möglichen Reaktionen, die wir dann angeregt durchdiskutierten: Ja, es stimmt, Meditation ist ein Grundpfeiler der buddhistischen Geistesschulung. Allerdings nicht der einzige – es sind deren drei: Hören, Nachdenken und Meditieren.

Hören – oder Lesen – ist der Prozess, in dem ich neuen Input von außen erhalte. Einen neuen Gedanken, ein neues Konzept, eine Information – etwa über den Edlen Achtfachen Pfad.

Der zweite Schritt ist nun das Nachdenken. Damit ist nicht Grübeln und Zweifeln gemeint, sondern eher:  Ich schlucke die Information nicht einfach so, unhinterfragt. Ich drehe und wende sie, reflektiere darüber, spreche vielleicht mit anderen zum Thema, hole vertiefende Info ein, versuche Parallelen oder Widersprüche in meiner eigenen Erfahrung zu entdecken. Wenn ich dann befinde, dass ich diesen neuen Puzzlestein für mein Verständnis der Welt in mein Sein einbinden möchte, kommt es zum dritten Schritt: Meditieren.

Werden neue Gedankengänge denkbar, werden neue Handlungen machbar.

Das Verständnis dieses Begriffes wird leicht zu eng gefasst. So wie Garchen Rinpoche ihn erklärt, ist darunter das Einbinden in die Praxis, sprich Alltag, gemeint – und ja, das umfasst (hoffentlich) auch formale oder Sitzmeditation.

Wie kann nun Veränderung in mir und in meinem Ufeld entstehen?
Durch diesen Dreisprung – Hören, Nachdenken, Meditieren/ Umsetzen passiert folgendes: Ich nehme eine neue, unerhörte Idee auf – ich verwerfe sie also nicht oder tue sie ab, sondern ich analysiere sie (ich denke darüber nach). Durch dieses Nachdenken über bislang Unbekanntes werden in meinem Gehirn neue Synapsen gebildet; dadurch werden bisher unmögliche Gedankengänge buchstäblich denkbar (zB. die Idee, dass es möglicherweise mehr mir selbst als dem anderen schadet, wenn ich ihm grolle).
Werden neue Gedankengänge denkbar, werden neue Handlungen (Reaktionen) machbar: etwa Gelassenheit unter Stress.

Auf subtile, aber nachhaltige Weise erweitert so das Dreigespann Hören-Nachdenken-Meditieren das Auswahlmenü deiner Möglichkeiten.

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